Harald-Alexander Klimek

03.10.1959               
  • geb. in Frankenthal (Pfalz)
1979-1982
  • Bauzeichnerlehre
1983-1988
  • Fachhochschule für Gestaltung Mathildenhöhe Darmstadt, Fachbereich Kommunikationsdesign und Graphik
 1988
  • Fulbright-Stipendium, N.Y., USA
1988-1991
  • Studium der Druckgraphik und Malerei am Pratt Institute Brooklyn, NewYork, Abschluss mit dem Master of Fine Arts
seit 1989
  • Ausstellungen, Bücher und weitere Kunstprojekte im In- und Ausland     
seit 1991
  • in Frankenthal (Pfalz) und Berlin
seit 1998
  • Künstlerbücher mit verschiedenen Museen, darunter dem Museum für Vor- und Frühgeschichte der SMB, Berliner Verlagen und Kunstdruckereien





Harald-Alexander Klimek. Was soll man davon halten? Tag und Nacht als simultane Wirklichkeiten, dazwischen kolportagehaft Flugobjekte und Wolkenkratzer, Blumen und Totenschädel, eine Giftspitze links und ein Pinsel in der Hand eines amputierten Malers. Die detailreiche, extrem suggestive Collage mit dem Titel "Time", gemalt von Alexander Klimek 2006, zeigt all diese widerspenstigen Versatzstücke als Frontmotive des Time-Magazine - und zwar einer fiktiven Ausgabe vom 20.08.1945. Zwangsläufig gerät man als Betrachter ins Grübeln: Was ist an diesem Tag geschehen? Wo spielt sich das Ganze ab? Ist es real oder fiktiv? Der 20.08.45 war auf jeden Fall ein Sonntag, es war ein paar Monate nach dem Ende des 2. Weltkriegs… Ein Stempel der New Yorker Freiheitsstatue konterkariert den mit einer Armprothese ausgerüsteten Künstler. Reminiszenzen ans Exil, an Künstlerschicksale und die eigene Studienzeit Klimeks in Amerika - Momento Mori und Selbstbefragung als kosmisches Ereignis.

Alexander Klimek ist ein Maler und Zeichner wie er nicht im Buche steht. Der gebürtige Frankenthaler lässt sich nicht so leicht in ein Schema pressen. Vielmehr mäandert seine Kunst munter und subversiv durch alle Stile und Genres, um unser durch den Mainstream geformtes Ästhetik-Empfinden ernsthaft und launig auf die Probe zu stellen. Bei allem Humor, aber auch gehörigem Respekt vor den Errungenschaften der Kunstgeschichte zeichnet sich ein an vielfältigen Medien bedienendes Schaffensbild ab, das den Betrachter in den Bann zieht, vor den Kopf stößt und mit seiner radikalen Phantasie, wohlklingenden Schrägheit und einem vielschichtigen Witz für sich einnimmt. In Klimeks Werken steckt eine demonstrative Abkehr von der avantgardistischen Idee künstlerischen Fortschritts. Dafür legt er eine Freiheit, eine geradezu lustvoll-dreiste Unbekümmertheit im Umgang mit Formsprachen und Sujets an den Tag - er kombiniert gegenständliche und abstrakte Malerei oder Elemente der Hochkunst mit Fragmenten der Populärkultur. Er ordnet sich dabei keinem Maßstab unter, auch keinem Stil oder Geschmacksideal. Vielmehr zeigen die Leinwände Klimeks, seine Collagen, kleinformatigen Zeichnungen und Grafiken eine versierte Mischung unterschiedlicher Stile. Augenzwinkernd nimmt es Klimek so mit den großen Meistern auf. Ein entsprechendes Beispiel ist die "Karnevalsprinzessin". Das barock angelegte Portrait zeigt als Hüftstück eine Dame mit bleich-gelockter Chignon-Perücke in grünem Samtkleid, die sich bei näherer Betrachtung als eine mit roter Clown-Nase und knochigen Gesichtszügen ausgestattete Fratze entpuppt. Die gleichwertige Vermengung klassischer Porträtmalerei und Duchamp mit einer Brise Science Fiction beschreibt sehr passend die Vorgehensweise von Alexander Klimek. Daraus entsteht sein eigener Kosmos als ein kaum durchdringliches, symbolträchtiges Deutungslabyrinth.

Auch sonst enthalten Klimeks Arbeiten viele Zitate und Bezüge, am häufigsten zur Kunstgeschichte, zu Goya und Delacroix, Magritte und Duchamp, Max Ernst und Dada-Dix oder Robert Rauschenberg. Dabei befragt Klimek seine Ahnen ebenso respektvoll wie nonchalant, indem er Details zitiert, Stile reproduziert, Motive sich einverleibt und im nächsten Moment gegen einander ausspielt, quer durch die Geschichte und durch alle Epochen hindurch bis in die soziale Gegenwart. Zwangsläufig stehen sich in seinem Repertoire so gegensätzliche Figuren wie Sponge Bob, Darth Vader, ein Einhorn oder die nackte Venus gegenüber. In einem seiner Diptychen wird die Figur des gekreuzigten Christus zu einem stürzenden Ikarus, Delacroix' berühmtes Gemälde "Die Freiheit führt das Volk an" wird ebenso adaptiert wie "Goyas Geister" wieder aufleben. Mit anderen Worten: Klimeks künstlerische Arbeit offenbart eine Formel, die Stil und Namen der Künstler gleichsetzt und das Inventar explosionsartig von einem malerischen Bezugssystem zum anderen wechselt. Porträts, Landschaftsbilder, Stillleben, Pin- up-Girls, aktuelle Schlagzeilen und Schlachtenszenen ordnet er zu metaphorischen Bildmontagen. Sei es Graphik, Malerei, Collage, Photographie, Surrealismus, Pop Art, Art Brut, Karikatur, Illustration, Abstraktion. Ergänzt sei noch ein letztes Faktum: Bei Alexander Klimeks kaleidoskopartigem künstlerischen Herangehen dominiert die Linie, die als Projektion von emotionalen und gesellschaftlichen Spannungen, die Aktualität der Malerei in der Tradition als experimentelle Identitätssuche bezeugt.

Stefanie Patruno, M.A., Kunsthalle Mannheim                                                 



Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl):

2022
  • "Gut Leben", St.-Marien-Kirche, Frankfurt (Oder), Galerie Anke Zeisler, Berlin
  • "Dein Ritter Hultenreich", HUL und HAK Museum Schloss Burg, Thüringen, in Zusammenarbeit mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, SMB, Berlin zusammen mit Jürgen K. Hultenreich (HUL), (Ga); (Kat.)
  • 100 Jahre APK, Kaiserslautern, Museum Pfalzgalerie
2021
  • Strieffler Haus der Künste, Landau in der Pfalz, (EA) und (Smlg.), (Kat.)
  • Auszeichnung für Malerei, Galerie Artinovation, Innsbruck, (Kat)
2019
  • "Tiere seltsam", Galerie Anke Zeisler; Berlin zusammen mit Jürgen K. Hultenreich und Nikolai Makarov, (GA)
2018
  • Sergej-Mawrizki-Stiftung, Berlin, HUL und HAK, (EA)
  • Lesung von "Ziele stehen im Weg" Jürgen K. Hultenreich, Aphorismen, Verlag VORWERK 8, Berlin 
2017-2021
  • Hauptgeschäftsstelle Sparkasse Märkisch Oderland, Strausberg, Marienkirche, Frankfurt (Oder)
  • Kleist Museum Frankfurt (Oder)
  • Kunstprojekte e.V., Waldsiewersdorf
  • Galerie Anke Zeisler, Berlin, (GA); (Kat.)
2017
  • "Maria im Bild der Zeit", Warendorf, (GA), (Kat.)
2015
  • Büchergilde Buchhandlung & Galerie, Frankfurt/Main, "Serigraphie in Buch und Bild", (GA), (KB)
  • Edition Galerie auf Zeit, Berlin
  • Kultursommer Rheinland Pfalz, Zwölf Apostel Kirche, Frankenthal (Pfalz) in Zusammenarbeit mit dem Museum für Vor-und Frühgeschichte, SMB, Berlin, (GA), (Kat.)
2012
  • Städtische Galerie Speyer, "34 Künstler/Innen zu Kleist", (GA), (Kat.)
  • Kunstprojekte e.V., Waldsiewersdorf
  • Galerie Anke Zeisler, Berlin
2011
  • "34 Künstler/Innen zu Kleist", St. Marienkirche Frankfurt (Oder)
  • Gallerie Alte Schule, Berlin Adlershof, (GA), (Kat.)
  • Kunstprojekte e.V., Waldsiewersdorf
  • Galerie Anke Zeisler, Berlin
2010
  • Kunsthaus, Frankenthal (Pfalz)
  • Städtische Galerie Kulturhof Flachsgasse, Speyer, EA, (Kat.)
2008
  • Kulturhof Flachsgasse, Speyer, (GA)
  • Kunstverein Eisenturm, Mainz, (GA)
2007               
  • Museum für Vor - und Frühgeschichte, SMB, Schloss Charlottenburg, Langhansbau, Berlin, (Kat.)
  • Galerie Actéon, Brüssel, (KB), (Kat.)
2006               
  • Landesbibliothek, Speyer, (EA), (KB)
  • Herrenhof, Neustadt-Mußbach, (EA)         
2005               
  • University of Waikato, Neuseeland
  • Goethe Institut, San Francisco, (KB)
2004 
  • Dean Clough Galleries, Halifax, England, (GA), (KB)
2003 
  • PABA Gallery, New Haven, USA
  • Trumbull College, USA
  • Yale University, USA, (KB)
  • Städtische Galerie Kulturhof Flachsgasse, Speyer, (GA), (KB) und (Kat)
2002
  • Schloss, Kleinniedesheim
  • Edition Galerie auf Zeit, Berlin, (EA), (Kat.)
2001
  • Goethe Institut, St. Petersburg, Russland, (GA9, (KB)
  • KunstKöln, Köln
  • Kunstpavillon Heringsdorf, Usedom Kunstverein e.V. (GA), (Kat.)
2000-2020
  • Buchmesse, Frankfurt/Main und Leipzig, (Kat.), (KB)
2000
  • Kulturhaus am Thälmann Park, Berlin, (GA), (KB)
  • Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, (EA), (KB)
1999
  • Musée Municipal, Colombes, France (GA), (Kat.)
1998
  • Kulturbrauerei, Berlin, (GA), (KB)
  • Erkenbert Museum, Frankenthal (Pfalz), (GA) (Kat.)
1996
  • Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Mainz, (EA)
  • Landtag Sachsen, Dresden, (GA), (Kat.)
  • Hambacher Schloss, Neustadt a. d. Weinstraße, (GA), (Kat.)
1994 
  • Le Zitelle, Venedig, (GA), (Kat.)
  • Sara Ermann-Segal Art Gallery, Tel Aviv, (GA)
1992
  • Stadthalle, Frankenthal (Pfalz)
  • Kunstverein Die Treidler, Frankenthal (Pfalz)
1991
  • Clocktower Gallery, New York, USA
1990
  • Blum Helman Warehouse (GA)
  • "China June 4th", P.S1 Museum, N.Y.,  USA (GA)
  • Higgins Hall Gallery, Pratt Institute, N.Y., USA (EA)
  • Red Square Building, N.Y., USA (GA)
  • Museum für Gegenwartskunst, Nizza, France (GA), (KB)
  • Museum Pachen, Rockenhausen, (EA)
  • Internationale Kunstmesse, Venedig, Italien (GA), (Kat)
1989
  • Museo de Arte Moderno, Buenos Aires, Argentinien, (GA), (KB)

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen (Auswahl): 
BASEL: Universitätsbibliothek; BERLIN: Akademie der Künste, Kupferstichkabinett, Neues Museum, BOSTON: Public Library; BURGK (SAALE): Museum Schloss Burgk; CAMBRIDGE (USA) Harvard-University, Houghton Library, Yale University, Sterling Manor Library; DEN HAAG: Rijksbureau voor kunsthistorische documentatie; DUBLIN: National Library of Ireland; DRESDEN: Kupferstichkabinett; Sächsische Landesbibliothek; FRANKENTHAL(Pfalz): Stadt Frankenthal, Stadtarchiv Frankenthal, Sparkasse Rhein-Haardt, Stadtwerke GmbH Frankenthal; FRANKFURT/Main: Stadt-und Universitätsbibliothek, HAMBURG: Museum für Arbeit und Handwerk, KÖLN: Museum Ludwig, Graphische Sammlung, LEIPZIG: Deutsches Buch- und Schriftmuseum, LONDON Victoria and Albert Museum, National Art Library; MAINZ: Gutenberg-Museum, Kunstsammlung des Landes Rheinland-Pfalz, Landesmuseum, Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, MARBACH: Schiller Nationalmuseum, Deutsches Literaturarchiv; MÜNCHEN: Bayerische Staats-und Universitätsbiliothek, NEW YORK: Columbia University, Puplic Library New York, MoMA, Graphik Library Department, NÜRNBERG: Germanisches Nationalmuseum, OAKLAND: Mills College; OFFENBACH: Klingspor-Museum, PALO ALTO: Stanford University, Green Library; PARIS: Bibliothèque nationale de France, SAN FRANCISCO: Puplic Library of San Francisco,SCHWERIN: Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, SPEYER: Pfälzische Landesbibliothek, STUTTGART: Staatsgalerie, Württembergische Landesbibliothek, STANFORD (USA): Stanford University, WEIMAR: Herzogin-Amalien Bibliothek; WOLFENBÜTTEL: Herzog-August-Bibliothek,  ZÜRICH: Museum für Gestaltung, Zentralbibliothek 



Max-Friedrich-Straße 7
Atelier Nr. 7
67227 Frankenthal (Pfalz)
Deutschland







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